Die BG BAU zahlt ihren Mitgliedsbetrieben über die Arbeitsschutzprämien bis zu 50 % der Anschaffungskosten für gelistete Schutzprodukte. Seit 1. Juli 2026 gilt je nach Beitragshöhe ein Jahresdeckel von 250 bis 20.000 Euro. Rechnungen reichen Sie innerhalb von 365 Tagen online ein.
Die wichtigste Förderung für Arbeitsschutz am Bau kommt nicht vom Staat, sondern von der eigenen Berufsgenossenschaft. Die BG BAU unterscheidet beitragsabhängige Prämien (vier Stufen, 250 bis 20.000 Euro pro Jahr) und beitragsunabhängige Förderung für Absturzschutz bis 10.000 Euro. Gefördert wird nur, was im Prämienkatalog steht. Den Antrag stellen Sie nach dem Kauf, Fahrsicherheitstrainings dagegen vorher. Wer Schutzkosten sauber als eigene Positionen kalkuliert, holt das Geld zweimal zurück: über den Preis und über die Prämie.
Welche Förderung gibt es für Arbeitsschutz auf der Baustelle?
Für Baubetriebe ist die BG BAU die mit Abstand wichtigste Quelle. Sie bezuschusst über Arbeitsschutzprämien Geräte, Schutzsysteme und Qualifizierung, die im Prämienkatalog stehen. Dazu kommen Zuschüsse für Fahrsicherheitstrainings und Seminare. Bundesprogramme spielen für einzelne Schutzanschaffungen kaum eine Rolle.
Viele Betriebe suchen zuerst bei Bund, Land oder KfW. Das kostet Zeit und bringt für einen Satz Absturzsicherungen oder einen Bau-Entstauber fast nie etwas. Die Programme dort zielen auf Beratung, Digitalisierung oder Energie, nicht auf das Podest für die Kolonne. Die Prämie der Berufsgenossenschaft dagegen ist genau für solche Anschaffungen gemacht und läuft das ganze Jahr, solange Mittel da sind.
Die BG BAU fördert auf zwei Wegen, die Sie kennen müssen, weil sie unterschiedlich gedeckelt sind:
- Beitragsabhängige Förderung: Ihr Jahresbudget richtet sich nach dem BG-Beitrag des Betriebs. Pro Produkt gibt es meist 50 % der Kosten mit einem Höchstbetrag je Maßnahme.
- Beitragsunabhängige Förderung: Für Investitionen gegen Absturz und Durchsturz gibt es einen eigenen Topf bis 10.000 Euro, der nicht vom Beitrag abhängt, aber an Bedingungen wie Beratung und Seminarteilnahme geknüpft ist.
Manche Produkte lassen sich über beide Wege fördern. Die Bauportal-Meldung der BG BAU zu den neuen Prämien 2026 nennt als Beispiel die Lastenausgleichsvorrichtung (Balancer): beitragsabhängig 25 % bis 5.000 Euro, beitragsunabhängig 50 % bis 5.000 Euro, sofern Führungskräfte das Seminar „Absturzprävention“ besucht haben.
Wie viel zahlt die BG BAU pro Jahr und Betrieb?
Das hängt seit 1. Juli 2026 von der Beitragsstufe ab. Betriebe mit 100 bis 1.000 Euro Jahresbeitrag bekommen bis 250 Euro, bis 25.000 Euro Beitrag bis 5.000 Euro, bis 100.000 Euro bis 10.000 Euro, darüber bis 20.000 Euro beitragsabhängige Förderung.
Vorher gab es fünf Stufen. Die Deutsche Handwerks Zeitung (21. Mai 2026) und das Handwerksblatt (1. Juni 2026) haben die neue Staffel veröffentlicht. Für mittlere Betriebe ist das ein spürbarer Sprung: In der alten Systematik lag die Grenze für viele bei 2.500 Euro, jetzt sind in Stufe B bis zu 5.000 Euro möglich.
| Stufe | BG-Beitrag pro Jahr | Beitragsabhängige Förderung bis | Typischer Betrieb |
|---|---|---|---|
| A | 100 bis 1.000 € | 250 € | Kleinstbetrieb, ein bis zwei Gesellen |
| B | 1.001 bis 25.000 € | 5.000 € | Handwerksbetrieb mit einer oder mehreren Kolonnen |
| C | 25.001 bis 100.000 € | 10.000 € | Mittelständisches Bauunternehmen |
| D | ab 100.001 € | 20.000 € | Größeres Bauunternehmen |
Stand: Staffel gültig ab 1. Juli 2026 laut Deutscher Handwerks Zeitung und Handwerksblatt. Die Spalte „Typischer Betrieb“ ist eine grobe Einordnung, entscheidend ist allein Ihr Beitragsbescheid.
Ihre Stufe lesen Sie aus dem Beitragsbescheid ab. Dort steht auch die Mitgliedsnummer, die Sie im Antrag brauchen. Der Bescheid kommt in der Regel im Frühjahr. Wer den Betrieb neu gegründet hat und noch keinen Beitrag gezahlt hat, sollte vor größeren Anschaffungen bei der Prämien-Hotline nachfragen, welche Stufe gilt.
Unternehmer ohne Beschäftigte sind nicht automatisch dabei. Sie können sich freiwillig bei der BG BAU versichern und kommen dann laut Würth-Magazin (aktualisiert Juni 2026) auf bis zu 250 Euro im Jahr. Für einen Solo-Fliesenleger ist das wenig, aber für ein Paar Knieschoner der besseren Sorte oder einen Teil des Bau-Entstaubers reicht es.
Welche Anschaffungen sind 2026 förderfähig?
Förderfähig ist nur, was im aktuellen Prämienkatalog der BG BAU steht, und zwar mit den dort genannten technischen Anforderungen. Typische Bereiche sind Absturzschutz, Staubschutz, Lärm, UV-Schutz, Heben und Tragen, elektrische Sicherheit, Zusatzausrüstung für Baumaschinen und Qualifizierung.
Der Katalog ändert sich regelmäßig. Zum 1. Juli 2026 sind laut Handwerksblatt 15 Produktgruppen weggefallen, darunter Defibrillatoren (AED), Dieselpartikelfilter, elektrische Fugenschneider und die Abschaltautomatik für Motoren. Wer vor dem 30. Juni 2026 gekauft hat, kann solche Produkte noch bis ein Jahr nach Kaufdatum einreichen. Neu sind Drohnen (inklusive Drohnenführerschein und Registrierung beim Luftfahrt-Bundesamt, bis 2.000 Euro pro Jahr und Betrieb) und temporäre Absturz- und Durchsturzsicherungen, etwa für Schalungsarbeiten oder lichtdurchlässige Dachflächen.
Zwei weitere Neuzugänge für 2026 betreffen vor allem den Holzbau: die Einschraubhilfe für lange Schrauben (50 %, höchstens 200 Euro) und die oben genannte Lastenausgleichsvorrichtung für das Positionieren von Wand-, Decken- und Dachelementen.
Was in der Praxis am häufigsten übersehen wird: Die Förderung hängt am konkreten Produkt, nicht an der Produktgruppe. Ein Bau-Entstauber ist nicht automatisch förderfähig. Das Anforderungsblatt der BG BAU (Stand 12.10.2026) nennt für Entstauber mit erweiterter Warneinrichtung höchstens 300 Euro, für die übrigen gelisteten Bau-Entstauber 200 Euro. Kaufen Sie zusätzlich eine größere Sauggarnitur aus der Liste, kommen bis zu 75 Euro dazu. Für Tritte, Arbeitspodeste und Kleinpodeste gibt es beitragsabhängig 50 % der Kosten, höchstens 300 Euro pro Maßnahme.
Lassen Sie den Prämienkatalog nicht im Büro liegen. Der Polier, der beim Händler das Podest bestellt, muss wissen, dass Hersteller, Modellbezeichnung und Herstellerartikelnummer auf der Rechnung stehen müssen. Fehlt die Artikelnummer, beginnt die Nacharbeit mit dem Händler, und die läuft erfahrungsgemäß erst, wenn jemand dreimal anruft. Am einfachsten: Bestellungen für förderfähige Produkte laufen über eine Person, die vor dem Bestellen kurz in den Katalog schaut.
Wie beantragen Sie die Arbeitsschutzprämie Schritt für Schritt?
Sie kaufen zuerst ein gelistetes Produkt, prüfen die Rechnung auf Hersteller, Modell und Artikelnummer und reichen sie innerhalb von 365 Tagen nach Rechnungsdatum über das Online-Formular der BG BAU ein. Ein fester Jahresstichtag zum 31. Dezember gilt laut BG BAU nicht mehr.
So sieht der Ablauf mit den Fristen aus, die tatsächlich zählen:
- Vor der Bestellung: Produkt im Prämienkatalog suchen und die technischen Anforderungen lesen. Wichtig ist, ob das Gerät vom Hersteller für den gewerblichen Einsatz zugelassen ist. Das verlangt die BG BAU ausdrücklich.
- Beim Kauf: Rechnung auf den Betrieb ausstellen lassen, mit Hersteller, Modellbezeichnung und Herstellerartikelnummer. Leasing ist laut Würth-Magazin ebenfalls förderfähig, wenn der Vertrag mindestens 12 Monate läuft. Grundlage ist dann die Summe der Netto-Leasingraten.
- Innerhalb von 365 Tagen: Beleg als PDF oder Bild hochladen und den Online-Antrag ausfüllen. Ins Feld für das Zeichen gehört die Mitgliedsnummer aus dem Beitragsbescheid.
- Nach dem Antrag: Die BG BAU prüft und überweist. Voraussetzung ist ein ausgeglichenes Beitragskonto. Offene Beiträge sind einer der häufigsten Gründe, warum gar nichts kommt.
- Bei beitragsunabhängiger Förderung: Zusätzlich die Bedingungen erfüllen, die die BG BAU dafür festlegt, etwa eine Gefährdungsbeurteilung, eine Beratung durch die Aufsichtsperson und je nach Stufe die Teilnahme am Seminar Absturzprävention.
Bei Fahrsicherheitstrainings ist es genau andersherum. Hier melden Sie den Zuschuss vor dem Training online an, erst danach buchen Sie einen Anbieter von der Liste des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR). Das Training muss mindestens 7,5 Stunden dauern, die Teilnehmerliste braucht Namen in Druckschrift und Unterschriften. Wer erst trainiert und dann beantragt, geht leer aus.
Die Prämien werden nur gezahlt, solange Fördermittel verfügbar sind, und der Katalog ändert sich unterjährig. Alle Beträge in diesem Beitrag haben den Stand Oktober 2026. Prüfen Sie vor jeder größeren Anschaffung die Produktseite der BG BAU oder fragen Sie bei der Prämien-Hotline (0800 3799100) nach. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung und keine Steuerberatung.
Was kostet Arbeitsschutz auf der Baustelle realistisch?
Das hängt stark vom Gewerk, der Bauhöhe und der Dauer ab. Die Kosten verteilen sich auf persönliche Schutzausrüstung, kollektiven Absturz- und Staubschutz, Unterweisung und arbeitsmedizinische Vorsorge. Preise schwanken je nach Region und Anbieter deutlich, deshalb gehören sie projektbezogen kalkuliert.
Bevor Sie rechnen, klären Sie, wer welche Kosten überhaupt trägt. Hier passieren die teuersten Missverständnisse:
- Die Kosten für Arbeitsschutzmaßnahmen trägt der Arbeitgeber. Nach § 3 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz darf er sie nicht den Beschäftigten auferlegen. Arbeitsschuhe, Helm und Gehörschutz vom Lohn abziehen ist also keine Option.
- Den Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator bestellt nach § 3 Abs. 1 Baustellenverordnung der Bauherr, wenn Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber auf der Baustelle tätig sind. Das Honorar ist damit Sache des Bauherrn und gehört nicht in Ihre Kalkulation als Nachunternehmer. Mehr dazu im Beitrag zum SiGeKo und seinen Aufgaben nach BaustellV.
- Bei VOB-Verträgen gelten Maßnahmen zur Unfallverhütung nach den Vorschriften grundsätzlich als Nebenleistung (DIN 18299, Abschnitt 4.1). Sie werden also nicht extra bezahlt, sondern stecken in Ihren Einheitspreisen. Schutzvorkehrungen, die über Ihre eigene Leistung hinausgehen, etwa für andere Gewerke, können Besondere Leistungen sein. Die müssen Sie vorher anmelden.
Für die eigene Kalkulation hilft eine Aufteilung nach Kostenblöcken. Die Spannen unten sind keine Festpreise, sondern Größenordnungen, die je nach Region, Anbieter und Ausführung stark abweichen. Nutzen Sie die Tabelle als Gliederung und setzen Sie Ihre eigenen Händlerpreise ein.
| Kostenblock | Wer zahlt? | Förderweg | Kalkulationshinweis |
|---|---|---|---|
| Grund-PSA (Helm, S3-Schuhe, Handschuhe, Warnschutz) | Arbeitgeber | Meist nicht, einzelne Produkte im Katalog prüfen | Pro Kopf und Jahr als Gemeinkosten ansetzen |
| Temporäre Absturz- und Durchsturzsicherung | Ausführender Betrieb | 50 %, beitragsabhängig bis 3.000 €, beitragsunabhängig bis 10.000 € | Abschreibung über mehrere Baustellen verteilen |
| Podeste, Tritte, Bautreppen | Ausführender Betrieb | 50 %, bis 300 € je Maßnahme (Podeste) | Ersetzt Leitern, spart Zeit beim Arbeiten |
| Bau-Entstauber und Absaugung | Ausführender Betrieb | 200 bis 300 € je Gerät, plus bis 75 € Sauggarnitur | Filter und Beutel als laufende Kosten einplanen |
| SiGeKo und SiGe-Plan | Bauherr (§ 3 BaustellV) | Keine BG-Prämie | Nicht in den eigenen EP einrechnen |
| Fahrsicherheitstraining | Arbeitgeber | BG-BAU-Zuschuss, vorher anmelden | Ausfallzeit der Fahrer mitrechnen |
| Unterweisung und Gefährdungsbeurteilung | Arbeitgeber | Seminare teils gefördert | Arbeitszeit ist der größte Posten, nicht das Material |
Ein Punkt, den viele Kalkulatoren unterschätzen: Der größte Kostenblock beim Arbeitsschutz ist selten das Material. Es ist die Arbeitszeit für Auf- und Abbau von Seitenschutz, das Umsetzen von Absturzsicherungen beim Betonieren und die Unterweisung. Wer nur die Anschaffung kalkuliert und die Montagestunden vergisst, liegt bei Rohbaugewerken schnell daneben. Welche Gefährdungen auf einer bestimmten Baustelle überhaupt Maßnahmen auslösen, legen Sie in der Gefährdungsbeurteilung für die Baustelle fest. Die ist auch für die beitragsunabhängige Förderung Pflicht.
Rechenbeispiel: was ein Betrieb in Stufe B tatsächlich zurückbekommt
Ein Betrieb in Stufe B mit 18.000 Euro BG-Beitrag kauft Absturzsicherungen, zwei Entstauber und vier Podeste für zusammen rund 7.400 Euro netto. Die beitragsabhängige Prämie liegt bei etwa 3.400 Euro. Damit bleiben 1.600 Euro Jahresbudget für weitere Anschaffungen.
Das Beispiel ist bewusst schlicht gehalten. Die Einkaufspreise sind Annahmen für die Rechnung, Ihre Händlerpreise weichen je nach Region und Anbieter ab. Die Förderbeträge folgen den Regeln, die oben beschrieben sind.
| Anschaffung | Annahme netto | Förderregel | Prämie |
|---|---|---|---|
| Temporäre Absturzsicherung für Schalungsarbeiten | 4.000 € | 50 %, max. 3.000 € | 2.000 € |
| 2 Bau-Entstauber mit erweiterter Warneinrichtung | 1.800 € | max. 300 € je Gerät | 600 € |
| 4 Arbeitspodeste | 1.600 € | 50 %, max. 300 € je Maßnahme | 800 € |
| Summe | 7.400 € | Deckel Stufe B: 5.000 € | 3.400 € |
Unterm Strich zahlt der Betrieb rund 4.000 Euro selbst, also gut die Hälfte. Zwei Dinge sollten Sie aus dem Beispiel mitnehmen. Erstens: Ob die Podeste als eine Maßnahme oder als vier zählen, entscheidet über 500 Euro. Wie die BG BAU das im Einzelfall wertet, klären Sie vorher mit der Hotline, statt es anzunehmen. Zweitens: Die Absturzsicherung hätte der Betrieb auch beitragsunabhängig fördern lassen können. Dann wäre das beitragsabhängige Budget für andere Produkte frei geblieben. Dafür braucht es aber die Voraussetzungen wie Beratung und Gefährdungsbeurteilung, und die kosten Vorlauf.
Bei der Steuer gibt es ein Wahlrecht, das viele nicht kennen. Nach R 6.5 Abs. 2 der Einkommensteuer-Richtlinien können Zuschüsse für Anlagegüter entweder als Betriebseinnahme gebucht oder von den Anschaffungskosten abgezogen werden. Liegt ein Gerät nach Abzug der Prämie bei höchstens 800 Euro netto, kann es als geringwertiges Wirtschaftsgut nach § 6 Abs. 2 EStG sofort abgeschrieben werden. Wie das in Ihrem Fall am günstigsten ist, klären Sie mit Ihrem Steuerberater.
Wann lohnt sich der Förderantrag nicht?
Der Antrag lohnt sich nicht, wenn Sie ein teureres gelistetes Produkt nur wegen der Prämie kaufen, das günstigere aber genauso gut passt. Er lohnt auch nicht, wenn Ihr Beitragskonto offen ist oder die Rechnung die Pflichtangaben nicht enthält.
Die folgende Entscheidungshilfe deckt die Fälle ab, die im Büro immer wieder auf den Tisch kommen:
- Wenn das Produkt nicht im Katalog steht, dann gibt es keine Prämie, auch wenn es denselben Zweck erfüllt. Kaufen Sie trotzdem, wenn es die bessere Lösung für Ihre Baustelle ist. Arbeitsschutz richtet sich nach der Gefährdung, nicht nach dem Katalog.
- Wenn der Aufpreis für das gelistete Modell höher ist als die Prämie, dann sparen Sie mit dem ungelisteten Modell, sofern es gleichwertig schützt.
- Wenn Sie in Stufe A sind (höchstens 1.000 Euro Beitrag), dann stellen Sie lieber einen Antrag pro Jahr für die teuerste Anschaffung, statt viele Kleinbeträge zu sammeln. Bei 250 Euro Jahresdeckel frisst der Verwaltungsaufwand sonst den Nutzen.
- Wenn Sie größere Absturzschutz-Investitionen planen, dann prüfen Sie zuerst die beitragsunabhängige Förderung. Sie schont das Jahresbudget und lässt bis 10.000 Euro zu.
- Wenn ein Fahrsicherheitstraining ansteht, dann zuerst den Zuschuss anmelden, dann buchen. Nachträglich geht es nicht.
- Wenn größere Investitionen den Rahmen sprengen, etwa ein eigenes Systemgerüst oder ein komplettes Seitenschutzsystem für den Hochbau, dann rechnen Sie Miete gegen Kauf und prüfen Wege zur Finanzierung von Arbeitsschutz auf Baustellen. Leasing kann sogar prämienfähig sein, wenn der Vertrag mindestens zwölf Monate läuft.
Wie planen Sie Arbeitsschutzkosten in der Kalkulation richtig ein?
Trennen Sie projektbezogene Schutzmaßnahmen von den Betriebskosten. Projektbezogenes wie Seitenschutz, Durchsturzsicherung und Staubschutz kommt in die Baustellengemeinkosten oder die Einheitspreise. PSA und Unterweisung laufen als Allgemeine Geschäftskosten. Die Prämie rechnen Sie dabei nicht vorab ein.
Der letzte Satz ist wichtig. Wer die Prämie schon im Angebot vom Preis abzieht, hat ein Problem, wenn der Antrag scheitert oder die Mittel aufgebraucht sind. Kalkulieren Sie den vollen Preis. Die Prämie ist Ergebnisverbesserung, keine Kalkulationsgröße.
Für die Arbeitsvorbereitung hat sich eine einfache Reihenfolge bewährt, die Sie für jedes Projekt durchgehen können:
- Leistungsverzeichnis lesen und markieren, wo Absturzkanten, Durchsturzstellen, Staub- oder Lärmbelastung entstehen.
- Prüfen, ob die Schutzmaßnahme als Nebenleistung in Ihrem Preis steckt oder als Besondere Leistung abgerechnet werden kann. Fehlt eine Position im LV, Bedenken oder Nachtrag rechtzeitig anmelden.
- Montagestunden für Seitenschutz und Sicherungen ansetzen, nicht nur Material. Die Rangfolge der Systeme (technisch vor organisatorisch vor persönlich) erklärt der Beitrag zur Absturzsicherung ab welcher Höhe.
- Abgleich mit dem Bestand: Was liegt auf dem Hof, was muss gekauft oder gemietet werden?
- Bei Kauf: Prämienkatalog prüfen, Bestellung mit Pflichtangaben auf der Rechnung.
- Rechnung sofort ablegen und den Antrag im selben Monat stellen, nicht erst kurz vor Ablauf der 365 Tage.
Den letzten Schritt organisieren viele Betriebe inzwischen digital, mit einem Ordner pro Jahr für Prämienbelege. Wer die Belegablage im Betrieb grundsätzlich umstellen will, findet Ansätze unter Handwerk digitalisieren.
Der klassische Baustellenfehler sieht so aus: Die Absturzsicherung wird gekauft, die Rechnung landet im Lieferschein-Stapel im Container, und elf Monate später sucht sie keiner mehr. Machen Sie den Antrag zur Aufgabe des Einkäufers und nicht des Bauleiters. Der Bauleiter hat auf der Baustelle andere Sorgen. Eine Liste mit Kaufdatum, Produkt, Rechnungsnummer und Antragsdatum reicht völlig, um am Jahresende zu sehen, wie viel vom Budget noch frei ist.
💬 Meine Einschätzung
Die gängige Annahme lautet, Förderung für Arbeitsschutz müsse man bei Bund und Land suchen. Für den normalen Baubetrieb ist das verlorene Zeit. Das Geld liegt bei der BG BAU, die Sie mit Ihrem Beitrag ohnehin schon bezahlen. Mit der neuen Staffel seit Juli 2026 lohnt sich das vor allem für Betriebe in Stufe B, die jetzt bis 5.000 Euro im Jahr abrufen können. Mein Rat: Planen Sie Anschaffungen nicht um die Prämie herum, sondern um die Gefährdung. Kaufen Sie das, was auf Ihrer Baustelle schützt, und prüfen Sie erst danach, ob es im Katalog steht. Meist steht es drin. Wenn nicht, kaufen Sie es trotzdem.
- Beitragsabhängige Prämie seit 1. Juli 2026 in vier Stufen: 250, 5.000, 10.000 oder 20.000 Euro pro Jahr.
- Absturz- und Durchsturzschutz zusätzlich beitragsunabhängig bis 10.000 Euro, mit Gefährdungsbeurteilung und Beratung.
- Rechnung mit Hersteller, Modell und Artikelnummer innerhalb von 365 Tagen einreichen.
- Fahrsicherheitstraining: Zuschuss vor dem Training anmelden, Training mindestens 7,5 Stunden.
- SiGeKo bestellt und bezahlt der Bauherr (§ 3 BaustellV), nicht der Nachunternehmer.
- Prämie nie vorab vom Angebotspreis abziehen, sie ist keine sichere Einnahme.
Häufige Fragen zu BG-BAU-Förderung und Arbeitsschutzkosten
Muss ich die Arbeitsschutzprämie vor dem Kauf beantragen?
Nein. Bei den Arbeitsschutzprämien kaufen Sie zuerst und reichen die Rechnung danach ein, innerhalb von 365 Tagen nach Rechnungsdatum. Anders ist es beim Fahrsicherheitstraining: Den Zuschuss melden Sie vor dem Training an, sonst gibt es nichts.
Kann ich mehrere Produkte in einem Jahr fördern lassen?
Ja, solange der Jahresdeckel Ihrer Beitragsstufe nicht ausgeschöpft ist. Jedes Produkt hat zusätzlich einen eigenen Höchstbetrag, etwa 300 Euro für einen Entstauber mit erweiterter Warneinrichtung. Die beitragsunabhängige Förderung für Absturzschutz kommt obendrauf.
Werden gebrauchte oder geleaste Geräte gefördert?
Leasing ist förderfähig, wenn der Vertrag mindestens zwölf Monate läuft und bei Antragseingang nicht älter als 365 Tage ist. Grundlage ist die Summe der Netto-Leasingraten. Bei Gebrauchtgeräten fragen Sie vorher bei der BG BAU nach, ob das Modell die Katalogkriterien erfüllt.
Bekomme ich als Solo-Selbstständiger eine Prämie?
Nur wenn Sie freiwillig bei der BG BAU versichert sind. Dann sind laut Würth-Magazin bis zu 250 Euro im Jahr möglich. Ohne freiwillige Versicherung haben Unternehmer ohne Beschäftigte keinen Anspruch auf die beitragsabhängige Förderung.
Darf ich die Kosten für Sicherheitsschuhe vom Lohn abziehen?
Nein. Nach § 3 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz darf der Arbeitgeber die Kosten für Arbeitsschutzmaßnahmen nicht den Beschäftigten auferlegen. Das gilt für vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung am Bau genauso wie für Absturzsicherungen oder Unterweisungen.
Quellen
- BG BAU: Arbeitsschutzprämien, Übersichtsseite mit 365-Tage-Regel und Wegfall des Stichtags 31.12., bgbau.de, abgerufen Oktober 2026
- BG BAU: Prämie Tritte, Arbeitspodeste und Kleinpodeste, bgbau.de, abgerufen Oktober 2026
- BG BAU: Anforderungen und Hinweise für Arbeitsschutzprämien, Bau-Entstauber, Stand 12.10.2026
- BG BAU Bauportal 1/2026: Neue Arbeitsschutzprämien 2026, Einschraubhilfe und Lastenausgleichsvorrichtung
- BG BAU: Fahrsicherheitstrainings, Wie beantrage ich einen Zuschuss?, bgbau.de, abgerufen Oktober 2026
- Deutsche Handwerks Zeitung: Arbeitsschutzprämien, Das ändert sich bei den Zuschüssen der BG Bau, 21. Mai 2026
- Handwerksblatt: Neue Arbeitsschutzprämien der BG BAU ab Juli 2026, 1. Juni 2026
- Würth-Magazin: BG BAU Arbeitsschutzprämie, aktualisiert 22. Juni 2026 (Händlerquelle, Angaben mit BG BAU abgeglichen)
- Arbeitsschutzgesetz § 3 Abs. 3, gesetze-im-internet.de, Stand Oktober 2026
- Baustellenverordnung § 3 Abs. 1, gesetze-im-internet.de, Stand Oktober 2026
- Einkommensteuergesetz § 6 Abs. 2 und Einkommensteuer-Richtlinien R 6.5, Stand Oktober 2026
- VOB Teil C, DIN 18299 Allgemeine Regelungen für Bauarbeiten jeder Art, Abschnitt 4 Nebenleistungen und Besondere Leistungen


