Zeichnung einer Baustelle

3.4 Anspruch „der Höhe nach“ 1 - Grundsätze des rechtlichen Vermögensvergleichs bei Bauprojekten und Kosten bei Bauzeitverlängerung

Auf der Basis der Daten des Nachweises „dem Grunde nach“ wird der Nachweis „der Höhe nach“ erstellt. Dieser wird ähnlich wie technische Nachträge ermittelt. Rechtlich ist der Nachweis der Höhe nach eine Vermögenschadendifferenz, juristisch korrekt ist es die Vermögensdifferenz, die sich aus zwei vergleichbaren dokumentierten Zuständen – einer vor der Bauablaufstörung und einer nach der Störung – ermitteln lässt. Die Basis für die Berechnung ist damit „übersetzt“ die „Differenz“ zwischen BZP Soll-Null (siehe BZP Soll-Null 1.2) und BZP Soll-Strich (siehe BZP Soll-Strich 2.5). Unter Einbeziehung der Kostenansätze aus der Urkalkulation werden so die kapazitiven (Personal und Leistungsgeräte) und die dispositiven Mehrkosten (BGK und AGK) - die Vermögenschadensdifferenz - ermittelt. Auch für den Anspruch des AN auf Bauzeitverlängerung ergibt sich dieser aus der Differenz; in unserem Bespiel der Vergleich zwischen BZP Soll-Strich V2 und BZP Soll-Null.

Musterprojekt Bauablaufstörung

In unserem Beispiel sah der ursprüngliche Bauzeitenplan Soll-Null 59 Arbeitstage vor. Nach Einarbeitung der Störungen in die Bauzeitenpläne Soll-Strich V1 und Soll-Strich V2 verlängert sich dieser Wert um 5 Tage auf 64 Tage. Diese 5 Tage sind dem AG zuzurechnen, da von ihm verursacht. Damit ergibt sich für den AN ein Anspruch auf Verlängerung der Bauzeit um 5 Tage auf insgesamt 64 Tage, hier neu bis zum 10. Juli 2017. Wichtiger jedoch ist, dass daraus resultierend der AG vom AN nicht die Zahlung der Vertragsstrafe von 0,2% pro Tag verlangen kann.

BZP Soll Null
Tabelle BZP Soll Null
BZP Soll Strich V2
Tabelle BZP Soll Strich V2


Vor Dienstag, dem 11. Juli 2017, sind mögliche Ansprüche des AG aus einer Pflichtverletzung des AN bezüglich des ursprünglichen Bauzeitenendes zum 03.Juli 2017 damit abgewehrt (siehe Vertragsprüfung 1.1). Weiterhin kann das Unternehmen für diese eine Woche mehr Bauzeit erhöhte dispositive Aufwendungen (Bauleiter, Materialcontainer usw.) geltend machen. Der AN muss sich jedoch die Bauzeitverlängerung, welche durch vom AG beauftragte und vergütete zusätzliche Leistungen entstehen, gegenrechnen lassen. Auch in den zusätzlichen Leistungen sind BGK und AGK bereits enthalten. Die Mehrkosten in Zusammenhang mit zusätzlich beauftragten Leistungen (siehe „Anspruch der Höhe nach 2“ 3.5) und die Kosten für Produktivitätsminderung (siehe „Anspruch der Höhe nach 3“ 3.6) werden an entsprechender Stelle im Bau-Wiki detailliert beschrieben.

Diese Art der Nachweisführung ist in der Literatur umfassend erläutert und kommentiert. Als Grundlagenwerk für Baubetriebler/Bauleiter gilt Roquette/Vierig/Leupertz Handbuch Bauzeit – hier wird im Teil 3 ausführlich ein Praxisbeispiel erläutert - sowie ergänzend die Bücher von Vygen/Joussen/Lang/Rasch und eher für den Juristen Kapellmann/Schiffers.