Zeichnung einer Baustelle

3.3 Baubetrieblicher Nachtrag „dem Grunde nach“ – Störungen beweisen und Auswirkungen aufzeigen

Ist eine aufgetretene Störung eindeutig und für einen Dritten nachvollziehbar dem Auftraggeber zuzuordnen, so geht man juristisch von einer Zurechnung „dem Grunde nach“ aus. Der Nachweis „dem Grunde nach“ muss eindeutig geführt werden – „haftungsbegründende Kausalität“.

Musterprojekt Bauablaufstörung:

In unserem Beispiel fehlt die Baumfällgenehmigung, welche dem AG zuzurechnen ist. Die Störung hat somit der AG „dem Grunde nach“ zu vertreten. Außerdem behindert uns die lagernde Erdmiete. Ein Nachweis „dem Grunde nach“ kann wie folgt aussehen:

Die geplanten Arbeiten wurden mehrfach durch Störungen unterbrochen. Störungen waren die fehlende Fällgenehmigung für 3 Bäume in der SW-Ecke des Baufelds 1 (s. BZP Soll-Strich V2 Zeile 4) sowie die zusätzliche Beauftragung zum Räumen der Erdmiete (s. BZP Soll-Strich V2, Zeile 10).

Die fehlende Fällgenehmigung erforderte eine Umstellung der Bauablaufplanung in Teilabschnitte (aus dem ursprünglichen BZP Soll-Null Zeile 4 werden jetzt im BZP Soll-Strich V2 die beiden Zeilen 5 und 6).

Diese Zerstücklung in Bauabschnitte führt zu zusätzlichen Ein- und Abrüstzeiten, Aufwendungen für das Anarbeiten und Erschwernisse durch tlw. erforderliches Schützen der fertiggestellten Abschnitte und Erschwerung der An- und Abtransporte der Materialien sowie des Geräteeinsatzes.

Tabelle Soll Strich Nachtrag


Um die Arbeitsfortschritt zu gewährleisten beauftragte der AG für diesen Tag zusätzliche Arbeiten (s. BZP Soll-Strich V2 Zeile 7); hier konkret das Räumen von Material (s. Regiebericht vom 3. April 2017, 2 AK plus Radlader 2 h). Er ordnete für den nächsten Tag an, mit dem Abbruch der Oberflächen und Einfassungen (s. BZP Soll-Strich V2, Zeile 9) zu beginnen. Auch aus diesem Vorgang (s. BZP Soll-Null Zeile 5) werden daraus resultierend zwei Teilvorgänge (BZP Soll-Strich Zeilen 9 und 11) mit den zuvor erläuterten Auswirkungen. Weiterhin war der Vorarbeiter an diesem Tag für 2 h mit der Klärung der Situation mit der Örtlichen Bauleitung beschäftigt. Hierfür fallen 2 Stunden Mehraufwand für den Vorabeiter an.

Die zweite Störung in unserem Beispiel „Erdmiete in Baufeld 1“ ist ähnlich darzustellen und deren Auswirkungen auf den weiteren Ablauf wie folgt zu erläutern

Die noch lagernde Erdmiete in Baufeld 1, welche den nachfolgenden Arbeitsablauf behindert hätte, wurde auf Anweisung des AG am Mittwoch, den 5. April 2017, nachmittags geräumt, um die nachfolgenden Auskofferungsarbeiten im Baufeld 1 am darauffolgendem Donnerstag, den 6. April 2017, sicherzustellen. Von den fünf Arbeitskräften (s. BZP Soll-Strich V2 Zeile 9) am Dienstag waren somit 3 Arbeitskräfte am Mittwoch ganztägig mit dem Abbruch der Oberflächen und Einfassungen beauftragt und 2 Arbeitskräfte halbtags, da sie die andere Hälfte des Tages die Erdmiete räumten (s. Regiebericht vom 5. April 2017; 3 AK plus Radlader, Bagger und LKW jeweils vier Stunden). Die Abbrucharbeiten wurden mit dem auf der Baustelle vorhandenen Minibagger durchgeführt, was den Arbeitsablauf verlangsamte.

Diese Entscheidungen des AG sind ihm zuzurechnen, verlängern die Bauzeit und verursachen uns einen Mehraufwand entgegen der ursprünglichen Planung.

Die aktualisierte Planung (s. BZP Soll-Strich V2) berücksichtigt die Anordnungen des AG. Gegenüber dem vereinbarten BZP Soll-Null ergeben sich 5 Tage Bauzeitverlängerung von ursprünglich 59 Tagen auf 64 Tage.

Auszug baubetrieblicher Nachtrag – Ende.

Durch die baustellenbegleitende gute Dokumentation über BZP Soll-Null (siehe BZP Soll-Null 1.2), Bautagebuch (siehe Bautagebuch 2.1), BZP Soll-Strich (siehe BZP Soll Strich 2.5) und weiteren Schriftverkehr liefert für den baubetrieblichen Nachtrag die Fakten – juristisch „Tatbestandsmerkmale“ -, um den geforderten Nachweis „dem Grunde nach“ zu führen.