Für Beton und Stahlbeton gehört ein Bohrhammer auf die Baustelle, keine Schlagbohrmaschine. Die Schlagbohrmaschine reicht für kleine Dübellöcher in Mauerwerk. Ab Durchmessern über rund 40 Millimeter oder bei Leitungsdurchbrüchen in Stahlbeton übernimmt die Kernbohrung mit Diamantkrone, und zwar mit Freigabe der Statik.
Die Schlagbohrmaschine erzeugt viele schwache Schläge über Rastenscheiben, der Bohrhammer wenige kräftige über ein pneumatisches Schlagwerk. Maßgeblich ist die Einzelschlagenergie in Joule: rund 2 Joule für Dübellöcher, 3 bis 4 Joule für Ankerbohrungen bis etwa 20 Millimeter, SDS-max ab 5 Joule für große Durchmesser und Stemmarbeiten. Für Hand-Arm-Vibrationen gelten 2,5 m/s² als Auslösewert und 5 m/s² als Grenzwert pro Tag. Staub, Leitungen und Bewehrung klären Sie vor dem ersten Loch, nicht danach.
Bohrhammer oder Schlagbohrmaschine: Was ist der Unterschied?
Die Schlagbohrmaschine erzeugt ihre Schläge mechanisch über zwei Rastenscheiben, der Bohrhammer über einen Luftpolster-Kolben. Ergebnis: Der Bohrhammer schlägt seltener, aber mit einem Vielfachen an Energie pro Schlag. Er braucht kaum Anpressdruck und kommt durch Beton, wo die Schlagbohrmaschine nur noch Staub macht.
Bei der Schlagbohrmaschine liegen zwei gezahnte Scheiben aufeinander. Drückt der Monteur die Maschine gegen die Wand, rattern die Zähne übereinander und das Bohrfutter bewegt sich ein Stück vor und zurück. Das passiert sehr oft, bei vielen Geräten mehrere zehntausend Mal pro Minute, aber jeder einzelne Stoß ist schwach. Wie stark er ist, hängt vom Druck ab, den der Mann an der Maschine aufbringt. Wer schon einmal eine Stunde lang über Kopf mit einer Schlagbohrmaschine in eine Betondecke gebohrt hat, weiß, was das für Schultern und Handgelenke bedeutet.
Der Bohrhammer arbeitet anders. Ein Kurbeltrieb bewegt einen Kolben, der ein Luftpolster zusammenpresst, und dieses Luftpolster schleudert einen Schläger auf das Einsteckende des Bohrers. Die Schlagzahl liegt deutlich niedriger, meist bei einigen tausend Schlägen pro Minute. Dafür trägt jeder Schlag so viel Energie, dass der Bohrer den Beton zertrümmert, statt ihn abzuschaben. Sie führen den Bohrhammer nur, drücken müssen Sie kaum. Das ist auf der Baustelle der eigentliche Unterschied: weniger Kraftaufwand, gerade Bohrlöcher, weniger Ermüdung.
Dazu kommt die Werkzeugaufnahme. Der Bohrhammer nimmt den Bohrer in einer SDS-Aufnahme auf, in der der Schaft längs beweglich ist und die Schlagenergie fast verlustfrei weitergibt. Die Schlagbohrmaschine spannt den Bohrer im Zahnkranz- oder Schnellspannfutter fest. Viele Kombihämmer haben zusätzlich eine Meißelstellung. Damit stemmen Sie Schlitze, nehmen Fliesen ab oder brechen Putz, was mit einer Schlagbohrmaschine gar nicht geht.
Wo hat die Schlagbohrmaschine dann noch ihren Platz? Beim Bohren in Holz und Metall mit hoher Drehzahl, beim Setzen von Lochsägen und überall dort, wo nur ein paar kleine Löcher in Ziegel oder Kalksandstein anfallen. Für den Elektriker, der Dosen setzt und Leitungen befestigt, ist sie ein Zweitgerät. Für Ankerbohrungen in Stahlbeton ist sie das falsche Werkzeug, und das liegt nicht allein an der Geschwindigkeit. Ein ovales, ausgeleiertes Bohrloch hält den Dübel nicht so, wie es die Zulassung voraussetzt.
| Merkmal | Schlagbohrmaschine | Bohrhammer |
|---|---|---|
| Schlagwerk | mechanisch, zwei Rastenscheiben | elektropneumatisch, Kolben und Luftpolster |
| Schlagenergie | gering, abhängig vom Anpressdruck | ab etwa 1 Joule bis über 10 Joule je Schlag |
| Werkzeugaufnahme | Bohrfutter | SDS-plus oder SDS-max |
| Sinnvoll in Beton | nur vereinzelte kleine Löcher | Standardgerät |
| Meißeln | nein | bei Kombihämmern ja |
| Stärke | Holz, Metall, Lochsägen, weiches Mauerwerk | Beton, Stahlbeton, Naturstein, Dübel- und Ankerbohrungen |
Wie viel Joule braucht ein Bohrhammer für Beton?
Für Dübellöcher bis etwa 10 Millimeter genügen rund 2 Joule. Wer regelmäßig Anker zwischen 12 und 20 Millimeter in Stahlbeton setzt, nimmt ein Gerät mit 3 bis 4 Joule. Für Durchmesser über 25 Millimeter und für Stemmarbeiten gehört ein SDS-max-Hammer ab etwa 5 Joule dazu.
Die Einzelschlagenergie ist die wichtigste Zahl im Datenblatt. Wattangaben sagen wenig, denn ein kräftiger Motor mit schwachem Schlagwerk bohrt trotzdem langsam. Achten Sie darauf, dass der Hersteller die Schlagenergie nach dem Messverfahren EPTA-Procedure 05/2009 angibt. Dieses Verfahren hat der europäische Verband der Elektrowerkzeughersteller eingeführt, damit Werte verschiedener Marken vergleichbar sind. Steht nur „bis zu“ ohne Messverfahren im Prospekt, ist die Zahl wenig wert.
Die folgende Tabelle zeigt typische Geräteklassen. Die Werte sind Richtwerte aus Herstellerangaben, die genauen Grenzen hängen vom Gerät und vom Bohrer ab.
| Klasse | Schlagenergie | Gewicht | Optimaler Bohrbereich in Beton | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Kompakt, SDS-plus | ca. 1,2 bis 2 J | um 2 kg | 4 bis 10 mm | Elektro, Sanitär, Trockenbau, Überkopf |
| Mittel, SDS-plus | ca. 2,5 bis 4 J | 3 bis 4 kg | 8 bis 20 mm | Ankerbohrungen, Geländer, Konsolen, leichtes Meißeln |
| Schwer, SDS-max | ca. 5 bis 9 J | 5 bis 8 kg | 16 bis 40 mm | Gewindestangen, Bewehrungsanschlüsse, Durchbrüche in Mauerwerk |
| Sehr schwer, SDS-max | ab ca. 10 J | ab 10 kg | 32 bis 52 mm | große Anker, Stemmarbeiten, Rückbau |
Ein häufiger Fehler auf der Baustelle: Für alles wird der dicke SDS-max-Hammer genommen, weil er gerade im Container liegt. Für 8-Millimeter-Löcher in einer Betondecke ist das zu viel. Das Gerät ist schwer, der Bohrer verläuft am Ansatz leichter, und die Vibrationsbelastung steigt ohne Not. Umgekehrt quält sich der Monteur mit einem 2-Joule-Akkuhammer durch 30 Löcher à 16 Millimeter, und nach dem Vormittag ist der Akku leer und die Hand taub. Passen Sie die Klasse an den Durchmesser an, den Sie an diesem Tag am häufigsten bohren.
Akkuhämmer haben in den letzten Jahren stark aufgeholt. In der SDS-plus-Klasse ersetzen sie das Kabelgerät auf vielen Baustellen vollständig. Bei schweren SDS-max-Arbeiten über Stunden bleibt das Netzgerät oft im Vorteil, weil die Leistung nicht mit dem Ladezustand abfällt. Planen Sie bei Akkugeräten mindestens zwei Akkus pro Maschine und eine Ladestation am Baustromverteiler ein.
Bei Ankerbohrungen entscheidet der Bohrer mehr als der Hammer. Die Zulassung eines Dübels setzt voraus, dass der Bohrer den richtigen Schneidendurchmesser hat. Bohrer mit dem PGM-Zeichen der Prüfgemeinschaft Mauerbohrer halten diese Toleranzen ein. Abgenutzte Bohrer liefern zu enge Löcher, der Dübel wird mit Gewalt eingeschlagen und spreizt nicht richtig. Legen Sie eine Bohrlehre in jede Werkzeugkiste und sortieren Sie Bohrer aus, die nicht mehr passen. Das kostet ein paar Euro und erspart Ihnen durchgefallene Auszugsversuche.
SDS-plus oder SDS-max: Welche Aufnahme für welche Arbeit?
SDS-plus hat einen 10-Millimeter-Schaft und deckt Bohrungen bis etwa 25 bis 30 Millimeter ab. SDS-max hat einen 18-Millimeter-Schaft, überträgt deutlich mehr Schlagenergie und ist für große Durchmesser, Durchbruchbohrer und schweres Meißeln gebaut. Beide Systeme passen nicht ineinander, Adapter sind eine Notlösung.
Die Wahl der Aufnahme folgt aus der Geräteklasse. Kompakte und mittlere Bohrhämmer bis rund 4 Kilogramm haben fast immer SDS-plus. Darüber beginnt SDS-max. Wer auf der Baustelle beide Klassen hat, braucht auch zwei Bohrersätze, und genau hier entsteht im Alltag Ärger: Der SDS-max-Hammer steht da, aber die 22er-Bohrer liegen nur als SDS-plus im Container. Halten Sie die Bohrersätze pro Gerät getrennt und beschriften Sie die Kisten.
Adapter von SDS-max auf SDS-plus gibt es. Sie verlieren aber Schlagenergie, verlängern den Hebel und belasten die kleinen Bohrer mit Schlägen, für die sie nicht gemacht sind. Für einen Einzelfall ist das vertretbar, als Dauerlösung nicht. Umgekehrt können Sie SDS-max-Bohrer gar nicht in einen SDS-plus-Hammer stecken, das schließt die Schaftgröße schon aus.
Ein Wort zum Bohrfutter: Viele SDS-plus-Hämmer haben ein Wechselfutter. Damit bohren Sie ohne Schlag mit normalen Spiralbohrern in Holz und Metall. Das funktioniert, ist aber kein Ersatz für einen Akkuschrauber oder eine Bohrmaschine mit hoher Drehzahl. In Stahl gehört der Schlag auf jeden Fall abgeschaltet. Ein Bohrhammer, der mit Schlagwerk auf einen Stahlträger angesetzt wird, ruiniert die Schneide des Bohrers in Sekunden.
Ab welchem Durchmesser lohnt sich eine Kernbohrung?
In Stahlbeton lohnt sich die Kernbohrung ab etwa 40 bis 50 Millimetern, in jedem Fall bei Leitungsdurchführungen und Durchbrüchen. Die Diamantkrone schneidet ein sauberes, maßhaltiges Loch ohne Schlag. Bewehrung wird dabei durchtrennt, deshalb braucht jede Kernbohrung in tragenden Bauteilen die Freigabe des Tragwerksplaners.
Mit einem schweren SDS-max-Hammer und einem Durchbruchbohrer kommen Sie in Mauerwerk auch auf 80 Millimeter und mehr. In Beton wird das schnell zur Quälerei: Der Durchbruch franst aus, die Ränder platzen ab, und auf der Rückseite einer Decke bricht oft ein großer Kegel heraus. Für Rohrdurchführungen mit Dichtungseinsätzen oder Brandschutzmanschetten ist das unbrauchbar, weil diese einen sauberen, runden Rand brauchen.
Die Kernbohrung arbeitet ohne Schlag. Die Diamantkrone dreht sich, Wasser kühlt und spült das Bohrklein aus. Kleinere Durchmesser gehen mit handgeführten Geräten, ab etwa 100 bis 150 Millimetern gehört das Gerät an einen Bohrständer, der mit Dübel oder Vakuumplatte fest am Bauteil sitzt. Für die richtige Kronenwahl, Drehzahl und Kühlung finden Sie mehr im Beitrag Diamantwerkzeuge im Baueinsatz richtig nutzen.
Organisatorisch hängt an der Kernbohrung mehr als am Bohrhammer. Sie brauchen Wasser, eine Lösung für das Bohrschlamm-Wasser und einen Plan, wo der Bohrkern hinfällt. Bei Deckenbohrungen fällt er nach unten. Wer unter der Decke nicht absperrt, riskiert, dass ein mehrere Kilo schwerer Betonzylinder einem anderen Gewerk auf den Kopf fällt. Das Bohrschlamm-Wasser ist stark alkalisch und gehört nicht in den nächsten Gully.
Kernbohrungen und größere Durchbrüche in Decken, Unterzügen, Stützen und tragenden Wänden dürfen Sie nicht nach Augenmaß setzen. Jede durchtrennte Bewehrung verändert die Tragfähigkeit. Lassen Sie Lage und Durchmesser vom Tragwerksplaner freigeben und orten Sie die Bewehrung vorher. Dieser Beitrag ersetzt keine Tragwerksplanung und keine Rechtsberatung.
Wer Durchbrüche plant, sollte die Grundlagen der Lastabtragung kennen. Warum ein Loch an der falschen Stelle im Unterzug mehr Schaden anrichtet als drei Löcher in einer Trennwand, erklärt der Beitrag zur Lastabtragung auf der Baustelle.
Wie lange darf man mit dem Bohrhammer am Tag arbeiten?
Eine feste Stundenzahl gibt es nicht. Entscheidend ist die Tagesvibrationsbelastung A(8). Ab 2,5 m/s² muss der Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen, 5 m/s² dürfen nicht überschritten werden. Bei einem schweren Bohrhammer mit 10 m/s² Schwingungswert ist der Auslösewert nach 30 Minuten reiner Bohrzeit erreicht.
Die Grenzwerte stehen in § 9 der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung. Für Hand-Arm-Vibrationen gilt ein Auslösewert von 2,5 m/s² und ein Expositionsgrenzwert von 5 m/s², beide bezogen auf einen Achtstundentag. Wird der Auslösewert überschritten, muss der Arbeitgeber nach § 10 ein Programm mit technischen und organisatorischen Maßnahmen aufstellen. Nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge wird ab dem Auslösewert eine Angebotsvorsorge fällig, ab dem Grenzwert eine Pflichtvorsorge.
Die Rechnung ist einfacher, als sie aussieht. Sie nehmen den Schwingungsgesamtwert aus der Betriebsanleitung, für den Bohrhammer meist getrennt nach „Bohren in Beton“ und „Meißeln“. Dann setzen Sie die Zeit ein, in der das Werkzeug tatsächlich im Material arbeitet. Das ist nicht die Schichtzeit. Rüsten, Anzeichnen, Bohrloch reinigen und Dübel setzen zählen nicht mit.
Rechenbeispiel: Konsolen setzen und Schlitze stemmen
Ein Monteur setzt an einem Tag 120 Bohrungen mit 12 Millimetern Durchmesser und 100 Millimetern Tiefe in Stahlbeton. Pro Loch rechnen wir mit rund 20 Sekunden reiner Bohrzeit. Am Nachmittag stemmt er noch eine halbe Stunde Schlitze mit demselben Gerät. Die Werte sind angenommen, setzen Sie für Ihre Baustelle die Angaben aus Ihrer Betriebsanleitung ein.
| Tätigkeit | Schwingungswert laut Anleitung | Einwirkzeit | Teil-A(8) |
|---|---|---|---|
| Bohren in Beton | 9 m/s² (angenommen) | 120 × 20 s = 40 min | 9 × √(0,67 h / 8 h) ≈ 2,6 m/s² |
| Meißeln | 12 m/s² (angenommen) | 30 min | 12 × √(0,5 h / 8 h) = 3,0 m/s² |
| Tageswert | 70 min | √(2,6² + 3,0²) ≈ 4,0 m/s² |
Das Ergebnis überrascht viele. Gut eine Stunde reine Arbeit am Material, und der Monteur liegt bei rund 4 m/s². Der Auslösewert ist deutlich überschritten, der Grenzwert noch nicht. Hätte er statt einer halben Stunde anderthalb Stunden gestemmt, wäre er über 5 m/s². Mit dem Meißelwert von 12 m/s² ist der Grenzwert allein durch Stemmen nach rund 80 Minuten erreicht.
Was folgt daraus für die Praxis? Wechseln Sie bei Stemmarbeiten die Leute durch, statt einen Mann den ganzen Tag stemmen zu lassen. Nehmen Sie für Schlitze in größerer Länge eine Mauernutfräse mit Absaugung, die vibriert deutlich weniger. Achten Sie beim Kauf auf Geräte mit Vibrationsdämpfung im Handgriff und vergleichen Sie die Schwingungswerte in der Anleitung, nicht nur die Joule. Herstellerangaben werden unter Prüfbedingungen ermittelt, auf der Baustelle liegen die echten Werte oft höher. Die BAuA stellt für die Rechnung einen kostenlosen Vibrationsrechner bereit, der gehört in jede Gefährdungsbeurteilung.
Lärm kommt dazu. Die Verordnung legt den unteren Auslösewert bei 80 dB(A) und den oberen bei 85 dB(A) fest. Bohrhämmer liegen nach Herstellerangabe meist darüber. Ab 85 dB(A) muss Gehörschutz getragen werden, und der Arbeitsbereich wird gekennzeichnet. Welcher Gehörschutz sich für Bohr- und Stemmarbeiten bewährt, steht im Beitrag zum Gehörschutz auf der Baustelle.
Wie bohrt man staubarm, ohne Leitungen und Bewehrung zu treffen?
Sie orten vor dem Bohren Leitungen und Bewehrung, saugen den Staub direkt am Bohrer ab und nutzen einen Entstauber mindestens der Staubklasse M. Dazu kommen die Installationszonen nach DIN 18015-3 als erster Anhaltspunkt. Im Bestand verlassen Sie sich aber nie allein darauf.
Beton, Kalksandstein und Ziegel enthalten Quarz. Beim Bohren entsteht feiner Quarzstaub, der tief in die Lunge geht. Die TRGS 559 setzt für alveolengängigen Quarzstaub einen Beurteilungsmaßstab von 0,05 mg/m³. Für den allgemeinen alveolengängigen Staub gilt nach TRGS 900 ein Grenzwert von 1,25 mg/m³. Beim trockenen Bohren ohne Absaugung, besonders in engen Räumen und über Kopf, werden diese Werte schnell überschritten. Staubmaske allein ist die letzte Stufe, nicht die erste.
Die bessere Lösung sitzt am Werkzeug. Für Bohrhämmer gibt es Absaugaufsätze, die das Bohrloch umschließen, und Hohlbohrer, die den Staub durch den Bohrer selbst absaugen. Hohlbohrer haben einen zweiten Vorteil: Bei vielen Verbundankern erlaubt die Zulassung, dass das Bohrloch damit bereits als gereinigt gilt. Ob das für Ihren Anker zutrifft, steht in der jeweiligen europäischen technischen Bewertung, kurz ETA. Wo dennoch Staub entsteht, ergänzen Sie Atemschutz. Welche Masken für welche Arbeiten taugen, lesen Sie im Beitrag zur Staubmaske auf der Baustelle.
Vor dem ersten Loch steht die Ortung. Elektroleitungen liegen im Neubau meist in den Installationszonen nach DIN 18015-3: waagerecht 15 bis 45 Zentimeter unter der Decke und 15 bis 45 Zentimeter über dem Fußboden, senkrecht 10 bis 30 Zentimeter neben Türen, Fenstern und Raumecken. Im Altbau hält sich kaum jemand daran. Dort fahren Sie die Wand mit einem Ortungsgerät ab und schalten im Zweifel den Stromkreis frei. Wasser- und Heizungsleitungen in Estrich und Wand sind genauso tückisch.
In Stahlbeton treffen Sie früher oder später Bewehrung. Der Bohrhammer bleibt dann stehen oder der Bohrer springt. Bohren Sie nicht mit Gewalt weiter und greifen Sie nicht zum Stahlbohrer. Setzen Sie das Loch neu und halten Sie den Abstand ein, den die ETA des Dübels vorgibt. Die Fehlbohrung wird in der Regel mit hochfestem Mörtel verfüllt. Das alles kostet Zeit, die Sie sich sparen, wenn Sie bei Ankerreihen vorher mit dem Bewehrungsscanner anzeichnen.
Checkliste vor dem ersten Bohrloch
- Plan geprüft: tragendes Bauteil, Freigabe für Durchbrüche und Kernbohrungen vorhanden?
- Leitungen geortet, Stromkreis bei Unsicherheit freigeschaltet
- Bewehrung bei Ankerreihen und Kernbohrungen gescannt und angezeichnet
- Gerät passend zum Durchmesser gewählt, Bohrer mit Bohrlehre geprüft
- Absaugung am Werkzeug, Entstauber mindestens Staubklasse M angeschlossen
- Gehörschutz, Schutzbrille und bei Bedarf Atemschutz am Mann
- Bereich unterhalb von Deckenbohrungen abgesperrt
- Gerät hängt am Baustromverteiler mit Fehlerstromschutz, Prüfplakette aktuell
Der letzte Punkt wird gern übersehen. Ortsveränderliche Elektrowerkzeuge auf Baustellen werden nach den Durchführungsanweisungen zur DGUV Vorschrift 3 als Richtwert alle drei Monate geprüft. Auf der Baustelle gehört das Gerät an einen Verteiler mit Fehlerstromschutzschalter, nicht an die nächstbeste Steckdose im Bestand. Was ein ordentlicher Verteiler können muss, steht im Beitrag zum Baustromverteiler.
Bohrhammer kaufen oder mieten: Was lohnt sich?
Den SDS-plus-Bohrhammer kauft jeder Betrieb, der regelmäßig in Beton bohrt. Schwere SDS-max-Hämmer und Kernbohrgeräte lohnen sich im Kauf erst, wenn sie viele Wochen im Jahr laufen. Für einzelne Durchbrüche oder einen Rückbau über ein paar Tage ist die Miete günstiger und planbarer.
Profigeräte kosten ein Mehrfaches dessen, was Baumarktgeräte kosten. Der Aufpreis steckt in Teilen, die man nicht sieht: Motoren und Schlagwerke für Dauerbetrieb, Getriebe aus Stahl, Rutschkupplungen, die beim Verklemmen des Bohrers auslösen, und eine Elektronik, die das Gerät abschaltet, wenn es sich plötzlich um die eigene Achse drehen will. Diese Abschaltung ist bei schweren Hämmern eine echte Unfallvermeidung, denn ein verklemmter 30er-Bohrer reißt Ihnen sonst das Handgelenk herum.
Für Betriebe ist der Service oft wichtiger als der Kaufpreis. Wer zum Beispiel einen Hilti Bohrhammer nutzt, bekommt je nach Vertrag Ersatzgeräte während der Reparatur und Flottenmodelle mit fester Monatsrate. Andere Profimarken bieten vergleichbare Servicepakete an. Für eine Baustelle mit festem Terminplan zählt am Ende, dass am nächsten Morgen wieder ein funktionierendes Gerät im Container liegt.
Mietpreise schwanken je nach Region und Anbieter deutlich. Als grobe Orientierung: Ein mittlerer SDS-plus-Hammer kostet im Mietpark pro Tag meist einen niedrigen zweistelligen Betrag, ein schwerer SDS-max-Hammer etwa das Doppelte. Kernbohrgeräte mit Ständer liegen höher, dazu kommt der Verschleiß der Diamantkrone, der oft nach Millimetern abgerechnet wird. Fragen Sie bei längeren Einsätzen nach Wochen- und Monatspreisen.
Entscheidungshilfe: Welches Gerät für welche Aufgabe?
- Wenn nur einzelne Löcher bis 8 Millimeter in Ziegel oder Kalksandstein anfallen, dann reicht die Schlagbohrmaschine.
- Wenn Sie in Lochziegel oder Porenbeton Dübel setzen, dann bohren Sie ohne Schlag, sonst brechen die Stege und der Dübel hält nicht.
- Wenn Dübel und Anker bis 20 Millimeter in Beton gesetzt werden, dann nehmen Sie einen SDS-plus-Hammer mit 3 bis 4 Joule.
- Wenn Durchmesser über 25 Millimeter oder Stemmarbeiten anstehen, dann ist ein SDS-max-Hammer das richtige Gerät.
- Wenn Durchbrüche über 40 Millimeter in Stahlbeton gebraucht werden, dann planen Sie eine Kernbohrung mit Freigabe der Statik.
- Wenn ein Gerät weniger als drei bis vier Wochen im Jahr läuft, dann mieten Sie es, statt es zu kaufen.
Meine Einschätzung
Die Frage „Bohrhammer oder Schlagbohrmaschine“ stellt sich auf einer Baustelle eigentlich nicht mehr. In jeden Container gehört mindestens ein mittlerer SDS-plus-Hammer, und für die meisten Gewerke ist das auch das Hauptgerät. Die Schlagbohrmaschine kaufe ich nicht extra, wenn ein guter Akkuschrauber da ist. Viel mehr Geld und Nerven verliert man an anderer Stelle: mit dem falschen Bohrer, mit Löchern ohne Ortung und mit Leuten, die einen Tag lang stemmen, ohne dass jemand die Vibration ausgerechnet hat. Investieren Sie lieber in Absaugung, Bohrlehre und Bewehrungsscanner als in das größte Gerät im Katalog.
- In Beton bohrt der Bohrhammer, die Schlagbohrmaschine bleibt für Holz, Metall und kleine Löcher in Mauerwerk.
- Gerät nach Schlagenergie wählen: um 2 J für Dübellöcher, 3 bis 4 J für Anker bis 20 mm, SDS-max ab 5 J darüber.
- Hand-Arm-Vibration: Auslösewert 2,5 m/s², Grenzwert 5 m/s² pro Tag (§ 9 LärmVibrationsArbSchV).
- Quarzstaub absaugen: Beurteilungsmaßstab 0,05 mg/m³ nach TRGS 559, Entstauber mindestens Klasse M.
- Kernbohrungen in tragenden Bauteilen nur mit Freigabe des Tragwerksplaners und nach Bewehrungsortung.
- Elektrowerkzeuge auf Baustellen als Richtwert alle drei Monate prüfen lassen (DGUV Vorschrift 3, Durchführungsanweisungen).
Häufige Fragen zu Bohrhammer und Schlagbohrmaschine
Kann ich mit einem Bohrhammer auch schrauben?
Eingeschränkt. Mit Wechselfutter und abgeschaltetem Schlag lassen sich einzelne Schrauben eindrehen, aber Drehzahl und Drehmoment passen nicht gut, und das Gerät ist zu schwer für Serienarbeit. Für Schraubarbeiten nehmen Sie einen Akkuschrauber oder Schlagschrauber.
Passen SDS-plus-Bohrer in eine normale Bohrmaschine?
Nein, ein SDS-Schaft lässt sich in einem normalen Bohrfutter nicht sicher spannen. Er rutscht durch oder sitzt schief. Umgekehrt brauchen Sie für Rundschaftbohrer im Bohrhammer ein Wechselfutter oder einen Adapter und müssen den Schlag abschalten.
Warum wird mein Bohrloch in Beton zu groß?
Meist verläuft der Bohrer am Ansatz, weil zu schnell mit voller Schlagkraft angefangen wurde, oder der Bohrer ist verschlissen und schlägt aus. Bohren Sie mit wenig Drehzahl an, halten Sie das Gerät gerade und prüfen Sie den Bohrer mit einer Bohrlehre.
Brauche ich für Bohrarbeiten eine Gefährdungsbeurteilung?
Ja. Lärm, Vibration, Staub und Strom gehören in die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers. Für Vibrationen fordert die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung ausdrücklich, die Exposition zu ermitteln. Bei Arbeiten mit Quarzstaub kommen die Vorgaben der TRGS 559 hinzu.
Wie tief darf ich in eine Betondecke bohren?
So tief, wie es der Dübel laut Zulassung verlangt, und keinen Millimeter tiefer als nötig. In dünnen Decken und Fertigteildecken mit Spannbewehrung gelten oft besondere Regeln. Fragen Sie bei Spannbeton- und Hohldielendecken immer vorher nach, wo gebohrt werden darf.
Quellen
- Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV), §§ 6, 9 und 10, gesetze-im-internet.de, abgerufen Oktober 2026
- Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV), Anhang Teil 3, gesetze-im-internet.de, abgerufen Oktober 2026
- TRGS 559 „Quarzhaltiger Staub“ und TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua.de), abgerufen Oktober 2026
- BAuA, Hand-Arm-Vibrationen: Informationen und Expositionsrechner (baua.de), abgerufen Oktober 2026
- DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ mit Durchführungsanweisungen, Tabelle 1B, und DGUV Information 203-006 „Auswahl und Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel auf Bau- und Montagestellen“, publikationen.dguv.de, abgerufen Oktober 2026
- DIN 18015-3 „Elektrische Anlagen in Wohngebäuden, Teil 3: Leitungsführung und Anordnung der Betriebsmittel“, DIN Media
- EPTA-Procedure 05/2009 zur Messung der Einzelschlagenergie von Bohr- und Meißelhämmern, European Power Tool Association, sowie technische Daten der Hersteller
Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Tragwerksplanung und keine Rechtsberatung.


