Ein Hund auf dem Sofa, Kratzer an der Tür, ein leichter Geruch nach Katzenstreu im Flur: Haustiere hinterlassen Spuren. Was für die Bewohner völlig normal wirkt, kann potenzielle Käufer in dem Moment abschrecken, in dem sie das erste Mal durch die Tür treten. Dass Tiere den Immobilienverkauf beeinflussen, wissen viele Eigentümer theoretisch. Wie stark dieser Einfluss tatsächlich ist und was sich konkret dagegen tun lässt, wird jedoch häufig unterschätzt.
Warum Haustiere den ersten Eindruck dominieren
Kaufentscheidungen bei Immobilien fallen selten rein rational. Studien aus dem angelsächsischen Raum, etwa eine Auswertung des National Association of Realtors aus dem Jahr 2022, zeigen, dass rund 83 Prozent der Käufer den ersten Besichtigungseindruck als ausschlaggebend für ihre Entscheidung nennen. Gerüche spielen dabei eine überproportionale Rolle, weil sie sich schwer rationalisieren lassen. Wer Katzenurin oder Hundehaare wahrnimmt, verbindet das unbewusst mit schlechter Pflege, hygienischen Problemen oder versteckten Schäden, auch wenn die Immobilie ansonsten tadellos in Schuss ist.
Hinzu kommt: Nicht alle Interessenten sind Tierfreunde. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben eine Allergie gegen Tierhaare oder -dander. Für diese Gruppe ist eine sichtbar oder riechbar von Tieren geprägte Wohnung schlicht keine Option, unabhängig vom Preis.
Konkrete Schäden und ihre Auswirkungen auf den Verkaufspreis
Neben dem olfaktorischen Eindruck verursachen Haustiere handfeste bauliche Schäden, die bei der Preisverhandlung auftauchen. Typische Problemstellen sind:
- Kratzer an Türrahmen, Fußleisten und Parkettböden durch Hunde oder Katzen
- Flecken und eingedrungener Urin in Teppichböden, der auch nach der Reinigung per Blacklight sichtbar bleibt
- Beschädigte Gartenzäune oder aufgewühlte Rasenflächen
- Abgenutzte oder zerbissene Fensterbänke und Türverkleidungen
In der Praxis fordern Käufer bei erkennbaren Tierschäden Preisabschläge zwischen 3 und 8 Prozent des Angebotspreises. Bei einer Wohnung mit einem Marktwert von 280.000 Euro entspricht das einem Verhandlungspuffer von bis zu 22.400 Euro zuungunsten des Verkäufers. Wer diese Schäden vor dem Verkauf behebt, gibt mitunter 3.000 bis 5.000 Euro aus und rettet dafür deutlich mehr Verhandlungsmasse.
Was Verkäufer vor der ersten Besichtigung erledigen sollten
Professionelle Vorbereitung beginnt nicht am Besichtigungstag selbst. Idealerweise starten Eigentümer vier bis sechs Wochen vor dem ersten Termin mit einer strukturierten Checkliste.
Gerüche neutralisieren
Oberflächensprays helfen kurzfristig, lösen das Problem aber nicht. Wirksamer ist eine professionelle Polsterreinigung mit Heißdampf sowie das vollständige Entfernen oder Austauschen von Teppichböden, die Urin aufgesogen haben. Wände in Zimmern, in denen Tiere dauerhaft gehalten wurden, sollten frisch gestrichen werden, weil Gerüche tief in den Putz einziehen können. Aktivkohlefilter oder Ozongeräte helfen in der Übergangszeit.
Spuren optisch beseitigen
Kratzer auf Parkettböden lassen sich durch Abschleifen und Versiegeln oft vollständig beheben. Türrahmen und Fußleisten sind in der Regel günstiger auszutauschen als zu reparieren. Wichtig ist dabei, dass die neuen Materialien zu den bestehenden passen. Ein frisch lackierter Türrahmen neben einem 20 Jahre alten Boden wirkt unfertig und zieht ebenfalls Fragen nach sich.
Tiere während der Besichtigung entfernen
Selbst gut erzogene Tiere stören Besichtigungen. Hunde bellen, reagieren territorial oder lenken Interessenten vom eigentlichen Objekt ab. Katzen ziehen sich zwar oft zurück, hinterlassen aber ihre Schlafplätze und Kratzbäume als sichtbare Zeugen. Die beste Lösung ist, Tiere für die Dauer aller Besichtigungen aus der Immobilie zu entfernen und sämtliches Zubehör wie Körbchen, Napf und Spielzeug einzulagern.
Die Rolle des Maklers bei tierbehafteten Immobilien
Ein erfahrener Makler kennt diese Thematik aus der täglichen Praxis und wird potenzielle Käufer nicht durch übertriebene Offenlegung abschrecken, aber auch nicht durch Verschweigen in rechtliche Probleme führen. Wesentliche Mängel, darunter dauerhaft eingesogene Gerüche oder strukturelle Tierschäden, müssen angegeben werden. Wie sie kommuniziert werden, macht jedoch einen erheblichen Unterschied. Ein gutes Beispiel dafür, wie lokale Marktkenntnis und professionelle Objektpräsentation zusammenspielen, bietet der Immobilienmakler Saarbrücken, der für die Region Saar-Lor-Lux auf diese Art von Beratung spezialisiert ist.
Makler können außerdem realistisch einschätzen, ob eine Sanierung vor dem Verkauf wirtschaftlich sinnvoll ist oder ob es günstiger ist, den Preis entsprechend anzupassen und das transparent zu kommunizieren. Diese Abwägung ist objektspezifisch und lässt sich nicht pauschal beantworten.
Unterschied zwischen Miet- und Kaufobjekten
Bei Mietobjekten gelten andere Regeln. Vermieter dürfen Tierhaltung in der Wohnung nicht generell per Mietvertrag ausschließen, wie der Bundesgerichtshof bereits 2013 in einem grundlegenden Urteil klargestellt hat. Für Verkäufer ist das insofern relevant, weil eine Wohnung, die über Jahre hinweg vermietet und mit Tieren bewohnt war, ähnliche Spuren aufweist wie eine selbstgenutzte. Wer als Investor eine solche Wohnung kaufen möchte, kalkuliert die Sanierungskosten bereits ein und bietet entsprechend weniger.
Bei Eigennutzung hingegen treffen Käufer oft eine emotionalere Entscheidung. Das gibt Verkäufern mehr Spielraum, wenn die Wohnung ansonsten überzeugt.
Fazit: Vorbereitung entscheidet über den Erlös
Haustiere sind für Millionen von Deutschen selbstverständlicher Teil des Alltags. Beim Immobilienverkauf können sie allerdings zu einem kalkulierbaren Risiko werden, das sich mit gezielter Vorbereitung deutlich reduzieren lässt. Wer frühzeitig investiert, Schäden behebt, Gerüche konsequent beseitigt und die Besichtigungen tierfrei gestaltet, verkauft schneller und zu besseren Konditionen. Die Zahlen sprechen dabei eine klare Sprache: Schon ein verhinderte Preisreduktion von 5 Prozent rechtfertigt in den meisten Fällen alle Vorbereitungskosten mehrfach.


